Ein Zeitzeuge berichtet

 

 

 

Die Zehntklässler der Realschule Spaichingen bekamen am 19.04. Besuch von Herrn Jacek Nadoldny aus Warschau in Polen. In der Aula berichtete er von seinen schmerzhaften und tragischen Erinnerung aus Kindertagen. Als Dreijähriger wurde seine gesamte Straße während des Aufstands in Warschau geräumt von den Nationalsozialisten geräumt. Die Bevölkerung wurde zusammengetrieben und mit Lastwägen und Zügen nach Auschwitz transportiert. Schwer erkrankt verbrachte er einige Zeit getrennt von seiner Mutter in den Kinderbaracken, seinen Vater sah er beim Abtransport in Warschau leider zum allerletzten Mal.

 

Wegen Bedarf an Zwangsarbeitern im völlig zerbombten Berlin wurde er und seine Mutter getrennt in unterschiedlichen Außenlagern von Sachsenhausen untergebracht, er in Berlin -Blankenburg.

 

Mit Ende des Krieges flohen die Wächter und ließen die Tore der Lager geöffnet. Die Zwangsarbeiter machten sich auf einen langen und beschwerlichen Fußweg zurück in die Heimat nach Warschau.

 

Ausgemergelt und in Lumpen ernährten sie sich manchmal sogar vom Fleisch der am Wege liegenden, verstorbenen Pferde. Jacek Nadoldny berichtete, dass er sich da zum ersten Mal seit sehr langer Zeit wieder satt gefühlt habe.

 

Warschau war völlig zerbombt und lag in Schutt und Asche. Vier Jahre lang hauste er mit seiner Mutter und Nachbarn im Keller eines zerstörten Hauses bis er schließlich unter großen Lernschwierigkeiten die Schule besuchen konnte und allmählich Besserung in seinem Leben eintrat.

 

Die Schüler der Realschule Spaichingen waren berührt von der Lebensgeschichte des sympathischen Mannes und stellten offen und interessiert viele Fragen. So kam es zu einem guten und wichtigen Austausch der Generationen zum Thema Erinnerung an das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte.